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Standpunkte - Perspektivwechsel

Eine Studentin klettert auf den Tisch, Dozent wie Teilnehmende gucken zu - und das soll "pädagogisch wertvoll" sein, fragen viele irritiert ob eines solchen Photos. Was Sie nicht hören können, ist die Stimme aus dem Off, die dazu sagt: "Ich habe mich auf den Schreibtisch gestellt, um mir ins Gedächtnis zu rufen, daß wir uns ständig zwingen müssen, die Welt von einem anderen Standpunkt aus zu betrachten. Von hier oben sieht alles ganz anders aus. Falls Sie es nicht glauben, kommen Sie her, und stellen Sie sich hier oben hin!" Wohin wir also kommen, wenn Studierende ermuntert werden, mit Filmszenen wie der gezeigten aus dem "Club der Toten Dichter" zu experimentieren, beantwortet "Mr. Keating", jener so umstrittene Lehrer des Kultstreifens, mit der erziehungswissenschaftlichen Kategorie des Perspektivenwechsels.

tote Dichter

Eine von vielen Kompetenzen und Kenntnissen, die Studierende der Berufs- und Wirtschaftspädagogik erlernen müssen, um zu einem wissenschaftsbasierten Standpunkt an der Schnittstelle von pädagogischen wie ökonomischen, technischen und sozialen Fragen zu finden, bevor sie selbst als Lehrende unterrichten können. Wie farbig und lebensnah dabei Theorien unterstützen, Lernprozesse entwicklungsfördernd zu gestalten, veranschaulicht Studierenden ein Lehrangebot, das auf Professionalität zielt. Denn Bedarf besteht neben öffentlichen berufsbildenden wie allgemeinen Schulen auch bei privaten Anbietern in der Aus-, Fort- und Weiterbildung, ob innerbetrieblich in großen Unternehmen oder bei Volkshochschulen, Verbänden und neuerdings auch Softwarehäusern, die den (Schul-) Verlagen Konkurrenz machen. Wer vorbereitet sein möchte, Auszubildende zu unterrichten wie ManagerInnen, wer sowohl Lehrprozesse "live" gestalten will wie Lernmaterialien reflektiert generieren, kurz: wer pädagogisch fundiert in Bildungsprozessen tätig werden will, benötigt eine spezifische Kombination aus Sach-, Selbst- und Sozialkompetenz, um professionell denken wie handeln zu können.

Sachkompetenz setzt Verständnis voraus: Studierende der Berufs- und Wirtschafts-pädagogik schreiben sich im Fachbereich Erziehungswissenschaft ein. Ihre Fachwissenschaft studieren Sie in den am Studiengang beteiligten Fachbereichen Wirtschaftswissenschaft, Maschinentechnik, Elektrotechnik und Informatik. Am schulischen Zweitfach beteiligen sich weitere Fachbereiche interdisziplinär. Mit der Auswahl unter zehn Fächern (Deutsch, Englisch, Philosophie, Mathematik, Chemie, Physik, Französisch, Sozialwissenschaft, ev. Religionslehre, kath. Religionslehre) lassen sich individuelle Neigungen mit zukunftsträchtigen Anforderungen des Arbeitsmarktes verbinden. In der Theorie Arbeitsorientierter Exemplarik lernen die Studierenden - neben vielen anderen - den durch die hiesige Professur vertretenen erziehungswissenschaftlichen Ansatz zeitgemäßen Lehrens und Lernens im beruflichen Feld kennen. Denn Fachwissen allein führt noch nicht zum Examen. Selbst- und Sozialkompetenz benennt die Fähigkeiten, für sich selbst wie im sozioökonomischen Kontext verantwortlich urteilen und handeln zu können.

Das hört sich oft leichter an, als wenn es gilt, auf jugendspezifische Provokationen in Rollenspielen zu authentischen Fallstudien pädagogisch angemessen zu reagieren, mittels Metaplantechnik einen Elternabend konfliktbewandert zu moderieren oder in kollegialer Teamarbeit Schulentwicklung unter Budgetrestriktionen multimedialgestützt zu simulieren. Solchen Übungsraum für pädagogisches Handeln in typischen Problemsituationen bietet der Studienansatz, der das Lehren lehren will, damit die Studierenden in ihren schriftlichen und/oder mündlichen Abschlußprüfungen wie bei der wissenschaftlichen Hausarbeit zeigen können, daß sie sich die wissenschaftlichen Voraussetzungen für eine weitere Professionalität erworben haben auch, und gerade, weil sie gelernt haben, über manche "Tische und Bänke" hinweg ihren Standpunkt für professionelles Handeln zu finden.