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Motivationale Ressourcen, Selbstregulation und Belohnungsaufschub im Alter (MotRess)


Kooperationspartner: Prof. Dr. Dr. Andreas Maercker (Universität Zürich)

 
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ProjektmitarbeiterInnen: Masterstudierende

Förderung: Hedwig Widmer Stiftung 

Dauer: 2007-2008 



Projektbeschreibung


Ressourcen und Stärken in der Entwicklung älterer Menschen wurden lange Zeit wenig in der psychologischen Forschung beachtet. Eine Defizitorientierung war angesichts des körperlichen Abbaus sowie sozialer Verluste Älterer im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Gerade motivationale Ressourcen wie Selbstregulation, Belohnungsaufschub und Selbstwirksamkeitserwartung sind aber sehr relevant für die kognitive und affektive Gesundheit älterer Menschen. Daher verfolgte dieses Forschungsprojekt drei Fragestellungen: Wie entwickeln sich Ressourcen im Alter zwischen 60 und 95? Wie hängen diese Ressourcen mit der psychischen Gesundheit und dem Gesundheitsverhalten zusammen? Wie muss ein Verhaltenstest für Belohnungsaufschub aussehen und wie kann retrospektiv frühere motivationale Kompetenz geschätzt werden? 150 Frauen und Männer wurden über die Seniorenuniversität, Altersheime und Zeitungsannoncen rekrutiert und untersucht. Aufgrund der bekannten Einschränkungen von Selbstbeurteilungs-Fragebogen (z. B. Antworttendenzen, sozial erwünschte Antworten, Abweichung vom realen Verhalten) ist ein Verhaltenstest zur Messung der motivationalen Selbstregulation wünschenswert. Für Kinder hat Mischel (1974) früh das Paradigma des Belohnungsaufschubs entwickelt. Dies stellt ein eher globales Mass für motivationale Selbstregulation dar. Im klassischen Paradigma wird ein Kind vor die Wahl zwischen einer sofortigen kleineren Belohnung (z. B. ein Keks) und einer späteren grösseren Belohnung (z. B. zwei Kekse) gestellt. In einer Fülle von Studien konnte gezeigt werden, dass Kinder mit einer hohen Fähigkeit zum Belohnungsaufschub bessere akademische Leistungen erzielen, sozial kompetenter sind und einen gesünderen Lebensstil beschreiten. Längsschnittstudien zeigen, dass diese Personen, wenn sie erwachsen sind, besser Stress bewältigen können, besseres Gesundheitsverhalten zeigen und ein besseres Wohlbefinden aufweisen. Trotz der lebenslangen Relevanz von Belohnungsaufschub fokussierte sich die Forschung zu dieser Fähigkeit auf Kinder. Dieser Fokus begrenzt die Generalisierung der Befunde auf Erwachsene. Probleme der Anwendung des klassischen Belohnungsaufschub-Paradigmas auf Jugendliche und Erwachsene sind beispielsweise: Es ist schwierig, brauchbare und nicht-triviale Belohnungen für Erwachsene zu finden. Auch dauern bedeutungsvolle Aufschub-Intervalle länger als bei Kindern, wahrscheinlich Tage oder Wochen und nicht Minuten. Aufgrund dieser Schwierigkeiten haben viele Forscher Selbstbeurteilungs-Fragebogen zur Messung von Belohnungsaufschub verwendet, natürlich auf Kosten der Vorteile eines Verhaltenstests. Im vorliegenden Projekt wurde ein Belohnungsaufschubtest (BAT) entwickelt, der mehrere Belohnungen verwendet, nämlich Geld, Snacks und Zeitschriften. Außerdem wurde eine deutsche Version des Delay Discounting (DD) Questionnaire von Kirby evaluiert. Ein Teil der Studienteilnehmer wurden mit struktureller und funktioneller MRT untersucht, um Hypothesen zu neuronalen Korrelation von BA und DD zu untersuchen.

Publikationen


Forstmeier, S. & Maercker, A. (2008). Motivational reserve: Lifetime motivational abilities influence cognitive and emotional health in old age. Psychology and Aging, 23, 886-899.

Forstmeier, S. & Maercker, A. (2008). Die Rolle motivationaler Ressourcen im 6. Lebensjahrzehnt und ihre Förderung in der Psychotherapie. Psychotherapie im Alter, 5, 513-525.

Forstmeier, S. & Maercker, A. (2009). Die Reservekapazität des Gehirns: Motivationale, kognitive und körperliche. Zeitschrift für Neuropsychologie, 20, 47-58.

Forstmeier, S., Drobetz, R. & Maercker, A. (2011). The Delay of Gratification Test for Adults (DoG-A): Validating a behavioral measure of self-motivation in a sample of older people. Motivation and Emotion, 35, 118-134.

Forstmeier, S. & Maercker, A. (2011). Selbstkontrolle im höheren Erwachsenenalter: Eine deutsche Version des Delay Discounting Tests von Kirby. Psychotherapie, Psychosomatik, Medizinische Psychologie, 61, 269-274.

Fankhauser, S., Wagner, B., Krammer, S., Aeschbach, M., Pepe, A., Maercker, A. & Forstmeier, S. (2010). The impact of social and interpersonal resources on adjustment disorder symptoms in older age: Motivational variables as mediators? Journal of Gerontopsychology and Geriatric Psychiatry, 23, 227-241.

Drobetz, R., Maercker, A. & Forstmeier, S. (2012). Delay of gratification in old age: Assessment, age-related effects, and clinical implications. Aging Clinical and Experimental Research, 24, 6-14.

Drobetz, R., Hänggi, J., Maercker, A., Kaufmann, K., Jäncke, L. & Forstmeier, S. (2014). Structural brain differences between elderly individuals with high versus low delay of gratification. Behavioural Neuroscience, 128, 134-145.

Hänggi, J., Lohrey, C., Drobetz, R, Baetschmann, H., Forstmeier, S., Maercker, A., Jäncke, L. (2016). Strength of structural and functional frontostriatal connectivity predicts self-control in the healthy elderly. Frontiers in Aging Neuroscience, 8, 307. doi: 10.3389/fnagi.2016.00307

Simmen-Janevska, K., Forstmeier, S., Krammer, S. & Maercker, A. (2015). Does Trauma impair self-control? Differences in delay discounting between former indentured child laborers and non-traumatized controls. Violence and Victims, 30, 1068-1081.