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Praktiken der Partizipation

Ethnografiewerkstatt an der Universität Siegen, 11. & 12. Januar 2019

 

Ziel der Ethnografiewerkstatt ist die Analyse von impliziten und alltäglichen Praktiken der Partizipation. Gefragt wird dabei nicht, wie Partizipation verbessert werden kann, sondern wie sie in Interaktionen und spezifischen Kontexten hergestellt wird. Durch den Fokus auf soziale Praktiken geraten implizite und alltägliche Aspekte in den Blick, welche (im Gegensatz z.B. zu Methoden) in Bezug auf Partizipation aus pädagogischer Perspektive meist wenig reflektiert werden. Partizipation kann diesem Verständnis zufolge (so ähnlich wie Kommunikation) nicht nicht stattfinden. Sie ist nicht auf wenige, besondere Momente beschränkt, sondern ist als fortlaufender Aushandlungsprozess zu denken. Obwohl oder vielleicht gerade weil solche Praktiken von den Beteiligten nicht explizit als Partizipation intendiert sind, wird in ihnen verhandelt, was wie in pädagogischen Zusammenhängen, in Ämtern oder in Peergroups geschieht. Dabei können Partizipation selbst sowie auch die Bedingungen, zu denen sie möglich sein soll, als umkämpft angenommen werden (auch da, wo sie erleichtert und „verbessert“ werden soll). Partizipation kann eigensinnig angeeignet, sie kann blockiert und erschwert, aber auch (z.B. als „Mitwirkungspflicht“) eingefordert und „verordnet“ werden.

Der Fokus auf Partizipation als soziale Praxis erweitert somit die weitverbreitete Perspektive, in der es vornehmlich um eine „richtige“ oder „effektive“ Gestaltung „guter“ Partizipation geht, sowie um die dazu notwendigen Methoden, Projekte, Formen und Qualitätskriterien. Die Analyse der Praktiken trägt zu einem differenzierteren und empirisch fundierten, theoretischen Verständnis von Partizipation bei.

Zur Ethnografiewerkstatt eingeladen sind Forschende, welche Beobachtungsprotokolle zu spezifischen Partizipationspraktiken als ein (Neben-)Produkt ihrer ethnografischen Studien erhoben haben. In der Werkstatt werden die Beobachtungsprotokolle gemeinsam ausgewertet und ggf. bereits vorliegende Ideen zu ihrer Bedeutung diskutiert. Im Fokus stehen implizite Aspekte von Partizipation – auch in formalisierten Partizipationskontexten. Ein Schwerpunkt sind Interaktionen zwischen Fachkräften und Adressat_innen, z.B. in Einrichtungen der Sozialen Arbeit, Bildungseinrichtungen oder Ämtern, in eher geschlossenen Institutionen genauso wie in nicht institutionalisierten Kontexten. Umgebungen, die weniger formalisiert oder pädagogisch vorstrukturiert sind, bieten eine wichtige Vergleichsmöglichkeit. Der Vergleich zwischen den verschiedenen Praktiken, zwischen institutionellen und nicht institutionellen Zusammenhängen sowie verschiedenen Dimensionen von Partizipation (z.B. Zugang zu gesellschaftlicher Teilhabe und zu Ressourcen, Engagement, Empowerment, Teilhabe an Entscheidungen und Mitbestimmung in Institutionen, Verpflichtungen oder Zwang zur Mitwirkung) soll zum einen dazu dienen, die jeweilige Spezifik der Partizipationspraktiken zu erfassen. Zum anderen sollen die Bandbreite sowie kontextübergreifende Aspekte von Partizipationspraktiken deutlich werden.

Die Ergebnisse der Werkstatt werden in einem Sammelband über implizite Partizipationspraktiken publiziert.